Logbuch der ARC 2010

Logbuch

12.12.2010

Position: Rodney Bay St Lucia

Die letzten Meilen haben uns, sollte der Zieleinlauf nicht Entschädigung  genug sein,  alle negativen Ereignisse als nebensächlich erscheinen lassen.

Wir laufen unter unserem Lichtwindspie bei 20 Knoten Ost um die Nordspitze von St Lucia, meldeten vorher

ARC Finish Line - this is Bluewater Mooney Nr 74, reaching 5 miles to finish line.

Dann erhielten wir die Information, die wir schon x mal in den Segelanweisungen gelesen hatten:

Bluewater Mooney - This is ARC finish line, We are a small Ketch with an orange flag marking the south point of the finish line - in the north, there is a orange boil - please confirm 2 miles.

Noch bevor wir den Spi bergen mussten, um am Wind in die Bucht und durch die Finish Line zu laufen, begegnet uns der Fotograf Tim Wright in seinem Dingi ( kleines Gummiboot ). Tim Wright lebt  auf seinem Schiff in Rodney Bay, fliegt aber zu jedem großen Regattaereignis weltweit. Seine oft spektakulären Fotos werden dann In Segeljournalen oder Kalendern veröffentlicht - und nun haben wir das Glück, dass wir zurzeit das einzige einlaufende Schiff sind und den Spi noch oben haben!

Eine kleine Auswahl der insgesamt 54 Fotos seht ihr hier! So schön und elegant und in so exotischer Gegend wird die Bluewater Mooney  vermutlich nicht mehr abgebildet werden, denn selbst wenn Sie noch einmal auf die Finish Line zufahren sollte, muss es nicht nur Tag sein, die Sonne muss auch an der richtigen Stelle stehen, der Wind muss das fahren des Spi zulassen, und es sollten keine weiteren Schiffe in der Nähe sein, mit denen wir die  kurze Zeit das Shooting teilen müssen - aber warum sollte nicht auch zum Abschluss einfach mal alles klappen!?

  Fotos © 2010 Tim Wright  

 

Dann der Zieleinlauf, den wir unter Kutter ( kleines Vorsegel ) und Groß machen.

- Bluewater Mooney - congratulation, this is ARC Finish Line, your time is 19:53 UTC - welcome to St Lucia

Wir sind da, nach 19 Tagen, 8 Stunden und 53 Sekunden.

Die Marina hat sich geschmückt und empfängt die Yachten mit Musik aus allen Ecken!

WIR SIND DA! Nach 3390 Seemeilen und am Folgetag laufen weiter vereinzelt Yachten ein - von denen jede mit einem Hupkonzert der bereits eingetroffenen Yachten gegrüßt wird.

Bei uns hat sich bereits wieder Routine eingestellt - wir sind, um nicht um uns herum räumen zu müssen, in ein Hotel gezogen - am 11.10. 8:00 beginnen bereits die Aufräumarbeiten. Unter Deck hilft uns eine Mitarbeiterin der Yachtcharter DSL, die von dem Ehepaar Meixner seit Jahren vor Ort erfolgreich geführt wird - Ulli Meixner wird sich auch während unserer Abwesenheit um das Schiff kümmern - und wenn er das übernimmt, kann man sicher sein, das dies zu 100% erfolgt!

Im Mast arbeiten zusätzlich zwei Rigger, die die gebrochene Falle gegen unsere neue Ersatzfalle austauschen, und zur Vorsicht das ganze Rigg checken.

Einen Tag vor der Ankunft brach uns zu allem Überfluss auch noch der Schäkel der Genua, die wir bergen mussten - ich berichtete nicht, um den Frust erst einmal zu verarbeiten! Sorry, aber hier ist nun die letzte Info über unsere Serie von Ausfällen - den Schäkel zeige ich mit Foto - es handelt sich um den Original Shake, wie er zusammen mit dem Gesamten Rigg von Selden geliefert wurde - wir vermuten, dass der Bolzen, der die Drehung  als Achse ausführt fest gerostet war, und es hierdurch zu einem Abscheren gekommen ist!? Echt Fahrt hat uns das Ganze nicht gekostet, denn die Yacht lief in den letzten 24 Stunden Raumschots bei 25 Knoten perfekt unter vollem Groß! Auch eine neue Erfahrung.

Wie wir dann allerdings beim Rigg-Check feststellen mussten, war der Schäkel dem Genuafall nur um wenige Stunden zuvor gekommen - auch hierzu haben wir ein Foto gemacht.

Natürlich haben wir uns gefragt, ob die Serie an Materialversagen einen gemeinsamen Grund hatte!?

Zunächst einmal konnten wir feststellen, dass an allen Yachten fast ausnahmslos Schoten brachen und bei vielen Segel zerrissen - Für die Falle haben wir die Erklärung, dass es nicht nur die Zahl der Meilen unter Beanspruchung ist, sondern der permanenten Druck, der vielleicht sogar zu einer thermischen Beeinflussung im Bereich der Umlenkblöcke führt!?

Die beiden Bergeschläuche von Elvström waren einfach unglaubliche Schlamperei eines Zulieferers von Elvström, die diese Schläuche als Drittprodukt fremd einkaufen - trotzdem - von hier schöne Grüße  an die Qualitätskontrolle - der Drehschäkel war auch nicht beim Riggcheck vor der Fahrt als auffällig entdeckt worden - vielleicht war er auch noch ok - vielleicht konnte man es auch nicht erkennen, denn unter gesetzter Genua kann seine Funktionalität nicht gecheckt werden.

Den gebrochenen Heckbeschlag  von  Hallberg-Rassy werden wir dort untersuchen lassen.

Unser Fazit ist aber letztlich:

Regattasegeln ist mit jeder Yacht ein Test der Crew und des Materials im Grenzbereich - und das soll bei der Crew nicht aufschneiderisch klingen, doch wir sind alle keine Profis, die mal so eben 3000 nm meistern, und da die Kette so stark wie ihr schwächstes Glied ist, Kompliment an alle - es gab keine einzige Begebenheit, die ich im Nachhinein verurteilen würden - alle haben die Grenzen des erforderlichen Respekts untereinander gespürt und gewahrt .  

Wenn ich das in dieser Form schreibe, dann in dem Bewusstsein, dass die letzten drei Wochen sicherlich zu den einschneidendsten Erfahrungen eines jeden Einzelnen zählen dürften!

Und welche lehre kann ich für mich ziehen?

Falle sollten vor der Abfahrt unabhängig vom vermuteten Zustand ausgetauscht werden, zusätzlich sind Reservefalle mit zu führen. Vorwindsegel sind ebenfalls im zulässigen Bereich zu führen - drei Spinnaker sind erlaubt.

Zum Abschluss zeige ich noch unkommentiert einige Fotos von dem bunten Leben in der Marina.

Bluewater Mooney - Ende und aus!

 


 

11.12.2010

Sorry, heute gibt es mal kein Update. Aber schaut bitte morgen wieder rein. Dann gibt es tolle Fotos von der Finish Line und mehr.

 


 

10.12.2010

Position: 14.09.023N 60.32.546W
Speed: 7 Knoten
Wind: 20 Knoten
Wetter: 0 / 8
Etmal letzte 24 Stunden 194 Seemeilen

Es ist jetzt 16:00 Uhr UTC und wir haben noch vier bis fünf Stunden bis zur Finish Line Rodney Bay.

Ich werde morgen über den Zieleinlauf und die Situation in St Lucia berichten, zumindest von den tatsächlichen Einlaufzeiten liegen wir recht weit vorne, was allein ein Erfolg ist! Etliche Yachten dürften noch mehr als eine Woche vor sich haben, und zum Teil sind diese Crews nur mit den allernötigsten Rationen an Wasser und Lebensmitteln ausgestattet, so das auch bei einer Reserve, die die Verzögerung von bis zu 50 % der Reisezeit ausmachen soll, die Rationierung deutlich spürbar wird!

Wir konnten daran gemessen im Überfluss leben und uns mindestens alle zwei Tage eine Dusche gönnen.

Wir möchten jetzt die Eindrücke auf uns wirken lassen, daher werde ich erst morgen einen kleinen Abriss der Ereignisse von heute und der Situation in St Lucia geben.

Da die Reise aber jetzt ihr Ende findet, möchten wir allen, die uns bei diesem Projekt unterstützt haben, an dieser Stelle unseren Dank aussprechen. Da die Vorbereitung über sechs Monate gedauert hat, nennen wir hier nur diejenigen, die uns in der unmittelbaren Phase unterstützt haben.

Danke dem Team aus meiner Kanzlei, das uns bei der Erstellung des Logbuchs und hinsichtlich des EDV Supports unterstützt hat!

Hier sind insbesondere

Christiane Schnell
Christoph Nießen
Andreas Steinbrecht

aus meiner Kanzlei zu nennen.

Für die Übersetzung ins Spanische danken wir Heike Häutle aus Palma.

Für die Unterstützung in Gibraltar gilt unser Dank

Astrid Schlegel.

Und Danke allen, die zum Gelingen beigetragen haben!

Und nicht zuletzt danken wir den Lesern unseres Reports, die uns sehr intensiv und zum Teil emotional begleitet haben - es war toll, so viel Anteilnahme zu verspüren.

Die folgenden Eintragungen ins Logbuch werden wir bis 18.12.2010 unregelmäßig fortsetzen - also vielleicht lohnt es sich, auch noch in den nächsten Tagen mal vorbei zu schauen.

Die Crew der Bluwater Mooney

 


 

09.12.2010

Position: 15.15.254N 57.41.744W
Wind 20 - 22 Knoten abnehmend
Wetter: Wolkenfrei
Speed: 8 Knoten
Etmal letzte 24 Stunden 194 Seemeilen

Entfernung nach St Lucia: 205 Seemeilen

Wir sind auf Steuerbordkurs gegangen und haben, wenn der Wind nicht mehr dreht einen direkten Raumschotsanlieger auf St Lucia - die Rallye geht ihrem Ende entgegen!

Unsere Überlegung in Anbetracht der Wellen und ohne ziehenden Spinacker nicht platt vor dem Laken mit direktem Kurt St Lucia zu laufen war richtig, um ungewolltes Halsen zu vermeiden - die Welle ist relativ hoch, und auch bei manuellem Steuern läuft das Schiff bei sich überlagernden Wellen gelegentlich aus dem Ruder, aber aufgrund des etwas angespitzten Kurses in den Wind und nicht mit dem Heck durch den Wind, wodurch der Wind von der anderen Seite in das Großsegel drücken könnte.

Wir sehen aber auch, dass wir dadurch einige Plätze verlieren - vermutlich an Yachten, die noch bei 22 Knoten unter Spi laufen können - aber das lässt sich nun nicht mehr ändern! Immerhin hat die Challenger erst heute Morgen in zwei Meilen Entfernung unseren Weg gekreuzt.

Bordleben:

Wir sind mit den Gedanken schon in St Lucia und zum Teil auch schon bei der Planung unserer Rückkehr nach Deutschland.

Irgendwie kommt über den bevorstehenden Zieleinlauf keine rechte Freude auf; ABER DAS WIRD SICH SICHERLICH MORGEN ÄNDERN; DENN WENN DIE Verhältnisse so bleiben werden wir morgen am 10.12.2010 in Rodney Bay St Lucia einlaufen.


 

08.12.2010

Position: 15.06.496N 54.18.120W
Wind 26 Knoten ONO
SOG 9 - 10 Knoten
Wetter 2 / 8
Etmal: 204 Seemeilen in den letzten 24 stunden

 

Wir laufen unter Groß mit Reff 1 und Genua im Winkel von 30 bis 45 Grad mit 8 - 10 Knoten, beim Ausnutzen der Wellen 10,5 bis 11 Knoten - alternativ hierzu wäre ein Kurs "platt vor dem Laken", also Wind direkt von hinten denkbar - das wäre nur unter Genua ohne Großsegel möglich, da anderenfalls die Gefahr einer Halse aufgrund einer nach wie vor bestehenden Kreuzsee möglich wäre, was den Mast kosten könnte.

Laut ARC Fleet Message von soeben meldet die Yacht Caotika - Nr. 151 den Bruch ihres Großbaums - so viel zum Thema vor dem Wind segeln bei dieser starken Atlantikwelle

Unser Alternativkurs würde uns 7 - 8,5 Knoten ermöglichen - einige der Yachten, mit denen wir uns noch messen, scheinen den Direktkurs zu favorisieren - wir sind zwar außerhalb deren AIS Reichweite, der uns aus Deutschland stets aktuell übermittelte FleetViewer verrät aber die Strategie der anderen - und bei 25 Knoten können wir mit Ausnahme der Yachten aus der Racing Klasse sicher sein, dass auch die anderen nicht mehr mit Spinacker oder Gennacker unterwegs sind - seit heute Vormittag besteht also wieder Chancengleichheit!

 

Daher hier auch noch ein kleinern Kommentar zum Riss im Spi und der Frage der
Vermeidbarkeit - man kann so fahren, das in erster Linie das Material geschont wird, das gilt auch für uns für alle wichtigen Komponenten wie Mast, Großsegel, Genua und soweit es die Taktik , insbesondere spätere Einsätze auf dieser Regatta erfordern, die Spinacker - aber 22 Knoten waren noch nicht grenzwertig - unser Segelplan sieht seinen Einsatz bis 25 Knoten vor - und es machte auch keinen Sinn, darüber hinaus war es nicht realistisch, den Spi für einen späteren längeren Einsatz aufzuheben, denn die Vorhersage gab bis zum 10.12. stetig zunehmende Winde vor - und da haben wir den Spi eben während des letzt möglichen Zeitraums zum Einsatz gebracht - und über 10 Plätze gut gemacht - und der Spi stand auch bei 22 Knoten wie eine Eins! Nur - ja leider nur der bordseitige Beschlag hat nicht standgehalten - aber das Schiff ist relativ neu und es gibt noch etliche Situationen und Teile, die bisher noch keinem Praxistest unterzogen sind und dazu gehörte der bordseitige Beschlag am Heck für die Aufnahme der Umlenkrollen bei 22 Knoten unter Spi - zukünftig werden wir an dieser Stelle eine doppelte Sicherung , d.h. zwei Haltepunkte für einen Umlenkblock verwenden - aber spinackern bis 25 Knoten auf einer ARC mit sportlichen Ambitionen, sollte zum Standardrepertoire einer HR 54 gehören - und so werden wir es auch zukünftig halten. Mit der Familie wären wir jetzt im letzten Drittel und zufrieden.

Bordleben:
Die Tage zehren an den Kräften und Nerven - richtig ausgeschlafen ist keiner - jeder hat mit der verzögerten Ankunft so seine Probleme, und wenn es nur eine überstürzte Heimreise ohne Auskosten der Höhepunkte von St Lucia ist!

Und da sind einige zu nennen!
Es geht schon los mit der Begrüßung - 24 Stunden rund um die Uhr steht ein Begrüßungskomitee am Steg und reicht den einlaufenden Crews karibische Drinks - die anderen Yachten veranstalten bei jeder neuen ein Konzert mit ihren Sirenen. Die Marina wird von einer amerikanischen Gesellschaft, der IGY Marinas betrieben und erfüllt alle Ansprüche(www.igy-rodneybay.com)

Direkt an der Steganlage befindet sich das Cafe Ole, mit High-Speed Internet und exotischer Bedienung.

Jeden Abend bis zum 18.12. findet irgendwo eine ARC Party statt, mal im Yachtclub St Lucia, mal ein Empfang der Regierung, und in einem Festbereich in der Marina - in diesem Jahr werden sogar nach dem offiziellen Ende der ARC am 18.12. weitere Veranstaltungen für die Yachten angeboten, die den offiziellen Termin der Schließung der Ziellinie am 17.12. nicht erreichen - üblicherweise die eine oder andere Yacht, in diesem Jahr steht es zu erwarten, dass es doch etliche werden.

Ein absoluter Höhepunkt ist aber ein Steak Essen im Big Chef (www.bigchefsteakhouse.com)das von sich selbst behauptet:
"The finest beef anywere in the world" - und das ist gar nicht so weit von der Realität entfernt. Big Chef, den wir noch 2006 kennen lernen konnten hat die Leitung zwischenzeitlich an eine französische Restaurantleiterin übergeben, die bis dahin die Leitung eines Restaurants in Paris inne hatte - es wird also wirklich auf internationalen Niveau gearbeitet - nur scheinen die auf der Webseite des Restaurants abgebildeten Damen des Services nicht mehr von den Marketingvorstellungen von Big Chef geprägt zu sein - 2006 trugen sie noch rote T-Shirts und Hot Pants, die hipper nicht sein konnten.

 


 

07.12.2010

Position: 14.11.081N 51.12.008W
Wind ONO 20 Knoten, in Boen 22 - 23
SOG: zunächst 10 - 11 Knoten - jetzt 7.5 Knoten

Keine vergangenen 24 Stunden der ARC hatten so viel Höhen und Tiefen wie die letzten. Wir machten, unter Parasail - Spinnaker mit Flügel - extrem gute Fahrt bis in die späte Nacht. Der Spi hat "nur" moderate 232 m² und relativ starkes Tuch, so dass er ohne Bedenken bis 25 Knoten Wind gefahren werden kann - und das haben wir dann auch, denn in der Nacht frischte es noch einmal auf. Dann ist uns zur Abwechslung der Decksbeschlag zur Aufnahme der Spinackerumlenkrollen bei einer Bö von 25 Knoten gebrochen - der Spi ist ausgeweht, und hat dabei in einem Liek einen Riss bekommen - nicht schlimm, aber mit Bordmitteln nicht zu reparieren! Damit haben wir aber unseren Joker verloren, denn die anderen Spinnaker sind für maximal 20 Knoten Wind als Leichtwind Spi konzipiert, und da haben wir nicht nur zur Zeit, sondern auch in der Vorhersage bis Sonntag mehr zu erwarten.

Am schlimmsten ist jedoch, dass sich Michael an einer schlagenden Schot den Finger verstaucht hat mit dem Verdacht auf Fraktur! Als passionierter Hochseeregattasegler - er segelt regelmäßig Volvo Open 60 - nimmt er das erstaunlich locker - so ist er - hanseatisch cool - Hut ab!

Den neunten Platz in der Gesamtwertung, den wir uns in der Nacht erkämpft hatten, könne wir so natürlich nicht halten, denn ganz vorne wird auch unter kalkulierten Einsatz des Materials gekämpft - Na ja mal sehen wo wir jetzt landen - auf jeden Fall müssen wir unsere Prognose mit einer Ankunft für Samstagmittag bei durchschnittlichen Etmalen von 200 Seemeilen um gute 24 Stunden verlängern, denn wir sind nicht nur langsamer. Wir können unter Genua und Groß, anders als unter Groß und Spi nicht mehr den direkten Kurs zum Ziel
laufen, sondern vor dem Wind kreuzen, da ansonsten die von hinten auflaufende See das Schiff und die Segel wegen zu wenig Fahrt hin und her Schlagen lassen würden, und das geht nicht nur auf das Material sondern auf die Struktur!

Bordleben:
Trotz der folgenden Ereignisse der Nacht, möchte ich an dieser Stelle die von mir noch am Abend geschriebenen Eindrücke vermitteln, da auch diese zu den Höhepunkten der Fahrt zählen und sicherlich von keinem vergessen werden:

Gestern Abend kam an Bord so etwas wie Melancholie auf! Vielleicht weil Nikolaus war, und es dann bewusster als sonst wird, dass jeder von uns diese Regatta allein, ohne seine Lieben fahren muss. Wir segelten unter Idealverhältnissen einem wunderschönen Sonnenuntergang entgegen - jeder hat sich mit den Verhältnissen an Bord arrangiert - und wir lassen die Gedanken schweifen!

Bitte startet den Audioplayer -

und schaut Euch dann die Fotos an - Traumstimmung!

 

Es läuft Norah Jones, wir trinken als Sun Downer eine Flasche Rotwein und stellen fest dass schon wieder ein Tag vorbei ist, obwohl die letzte Nacht doch gerade erst vorbei war - schade!

Daher an dieser Stelle noch eine persönliche Anmerkung von uns an unsere Freunde!

Wir wissen, dass täglich etliche hundert Klicks und damit Leser auf unserer Seite sind, darunter vermutlich auch viele unserer Freunde, die wir nicht alle namentlich grüßen können, deshalb habt Verständnis, wenn wir hiermit Euch alle ganz herzlich grüßen, und für Eure Teilnahme danken, und nur zwei exemplarisch namentlich nennen:

Ulli Koch aus Krefeld, mein bester Freund war leider verhindert an der ARC teil zu nehmen, wir hatten jedoch immerhin die Möglichkeit, die Überführung von Gibraltar nach Lanzarote / Gran Canaria zu machen. Da kamen viele alte Erinnerungen an unsere gemeinsamen Törns in der Vergangenheit auf der Ostsee, im Mittelmeer von Palma aus und nicht zuletzt einige Törns in der Karibik von St Lucia aus auf. Letztere waren vor 30 Jahren, und da war Rodney Bay - das Ziel der ARC seit 20 Jahren - vorher ging es nach Barbados - wirklich nicht mehr als ein Hurrican hole, in dem gerade mal der amerikanische Vercharterer Stevens Yachts eine kleine Basis unterhielt.

Ulli - ich hoffe, dass wir bald noch mehr Gelegenheiten für gemeinsame Segelpartien haben!

Da ist stellvertretend für unsere lieben Freunde aus Pollenca / Porto Pollenca, die wir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich grüßen, und uns für Ihre Teilnahme an der Rally ausdrücklich bedanken Alan Ponte zu nennen! Alan ist ein wundervoller Mensch, dessen Lebensfreude elektrisierend und dessen Offenheit Freunden und Fremde gegenüber gleichermaßen einzigartig ist. Für uns ist er das personifizierte Zentrum vieler wunderbarer Menschen, die Porto Pollenca zu Ihrer ( zweiten ) Heimat gemacht haben, und deren Treffpunkt der wunderschöne Real Club Nautico Porto Pollenca ist, unter dessen Farben die Bluewater Mooney an dieser Regatta Teilnehmen darf.

Hallo Alan! Danke dass Du uns zwei Deiner Profiangeln geliehen hast Auf der Überführung von Gibraltar nach Lanzarote haben wir tolle Exemplare gefangen. Auch auf der ARC haben bisher 5 aber recht kleine Fische angebissen, die aber nicht weniger gut geschmeckt haben - aber für ein Foto oder eine Erwähnung im Logbuch, um Dir im Logbuch den Dank auszusprechen, waren sie doch zu klein - also warte ich bis heute auf einen standesgemäßen Fang, den ich dann mit Deinen Angeln präsentieren kann. Dabei hatten zwei extrem große Exemplare angebissen, die sich dann aber nach einigen kraftvollen Sprüngen aus dem Wasser los gerissen haben!? Aber noch haben wir vier Tage.

Unerwähnt mochten wir aber auch nicht die vielen Fremden lassen, die die Seite der Bluewater Mooney besuchen, und uns schon etliche nette und aufmunternde Mails geschrieben haben. Wegen der hohen Kosten des Empfangs von Mails per Satellitenübertragung haben wir bisher davor zurück geschreckt, die Mailanschrift der Bluewater Mooney an Bord zu veröffentlichen - doch da wir in wenigen Tagen in St Lucia sind, und dort wireless im exotischen Cafe Ole zur Verfügung steht, welches bis auf die Stege zu erreichen ist, hier unsere Mailanschrift:

klaas[at]hr54.de

Vielleicht wartet Ihr noch, bis wir am 11.12. gegen Mittag MEZ eingelaufen sind, und mailt uns dann eure ganz persönliche Meinung zu unserer Fahrt

 


 

06.12.2010

Position: 13.25.428N 47.46.398W
Wind NO 14 - 18 Knoten
Wetter 8 / 8 bewölkt
SOG 9.8 Knoten

Tagesetmal, d.h. letzte 24 Stunden, bezogen auf 13:00 Uhr UTC: 213 Seemeilen! Unser neuester Rekord!

Jetzt geht es mit Druck nach St Lucia! Gestern wechselten wir, nachdem der Wind auf 20 Knoten, in Boen bis 23 Knoten auffrischte, vom Leichtwindspi auf den Gennaker.

Speed von bis zu 11,1 Knoten ist die Belohnung. Das geht so bis 01:30 Uhr Mitternacht - dann Peng, und der Gennaker löst sich im Top und legt sich flach aufs Wasser - alle Mann an Deck - 230 qm Genaker aus dem wasser bergen - geht aber ohne Probleme und der Gennaker liegt nach 15 Minuten heil an Deck - Langsam kommen wir uns vor, als wäre „Vorsicht Kamera“ an Bord um unsere Reaktionsfähigkeit mit immer wieder neuen Überraschungen zu testen - na ja es lag ja schon einige Zeit kein Segel mehr im Wasser - was war geschehen - das Spifall war gebrochen!?

Fehleranalyse:
Natürlich gab es innerhalb der letzten 14 Tage über die normale Beanspruchung eine Belastung - von den bisher 2700 zurückgelegten Seemeilen hat das Spifall einen guten Teil der Arbeit geleistet. Wir haben dabei fast ausnahmslos dass Steuerbordfall benutzt. Dies war, wie das gesamte Rigg von Selden und lediglich zwei Jahre alt - die Spifalle von Selden sind aber bewust nicht aus Dynema - einem extrem widerstandsfähigen Material, sondern aus Polyester, da im Gegensatz zu den übrigen Fallen das Spifall elastisch sein soll, um die Übertragung plötzlicher Drucke eines mit einem Knall aufgehenden Spi zu dämpfen. Dies führt aber offensichtlich dazu, dass der Mantel keine Beschädigung aufweist während die Seele angebrochen ist. Im Ergebnis nicht schlimm, denn wir haben bereits zwei Falle vorgerüstet und unter anderem ein Spinackerfall in Reserve - trotzdem haben wir darauf verzichtet, nach Beendigung der Aktion erneut Spinacker zu setzen, sondern sind umgerefft unter Groß und Genua bei auffrischenden 22 Knoten auf Kurs St Lucia gelaufen - Ergebnis 8.9 - 9.3 Knoten - also OK

Am Morgen nach der Dämmerung haben wir dann das Parasail bei weiterhin 17 - 20 Knoten, in Boen 22 Knoten gezogen und düsen seit dem mit um 10 Knoten und mehr Richtung St Lucia.

Bordleben:
Wir treffen die ersten Vorbereitungen für die Ankunft - Hotels und Flüge werden gebucht, da nun der Ankunftstermin berechenbar wird - hierüber und das Drum herum, was uns erwartet, werde ich ab morgen ausführlicher berichten.

 

 


 

05.12.2010

Position: 13.10.536N 43.58.381W
Wind 15 - 20 Knoten NNO
Wetter 6 / 8 bewölkt
SOG 9 - 10,5 Knoten

Wow! Was für tolle 24 Stunden - danke für das Drücken der Daumen!! Wir haben das erste Mal auf diesem Törn das 200 Seemeilen-Etmal (gesegelte Strecke in Seemeilen in 24 Stunden) erreicht und übertroffen. Doch der Reihe nach:

Bis zum späten Nachmittag sind wir unter Spinacker mit halben Wind und Anlieger St Lucia gelaufen. Als die Windgeschwindigkeit auf konstant 20 Knoten hoch ging, haben wir den Spinacker geborgen und sind unter Genua weiter gelaufen - Maximaler Wind für den Leichtwindspi 20 Knoten.

Ergebnis:
Spi 9 - 10 Knoten, in Spitzen 11 (!)
Genua 8,5 - 9,5 Knoten also noch akzeptabel

Die ganze Nacht über haben wir von Hand gesteuert, um noch etwas schneller als unter Autopilot zu fahren. Bereits seit 1,5 Tagen laufen wir etwas südlich der Shaya Moya, einer Oyster 65 , Start Nummer 64 in gleich bleibenden Abstand, wir nähern uns nur, indem wir etwas mehr Höhe laufen - mit Sonnenaufgang haben wir den Abstand leicht auf 10 Seemeilen verkürzt.

Wir setzen den Genacker, zum ersten Mal auf dieser Fahrt und zum ersten Mal mit dem neuen Elvstöm Bergeschlauch, den wir erst kurz vor der ARC, zusammen mit dem neuen Leichtwindspi und dessen Bergeschlauch geliefert bekommen hatten. Wir hatten bereits ganz zum Beginn der ARC mit dem Spinackerbergeschlauch das Problem, dass die Haltelasche, die durch das obere Ende des Bergeschlauchs hindurch geht - oben wird das Fall befestigt, innen der Spi oder in diesem Fall der Genacker, brach. Ein Telefonat mit Elvström gab uns die Sicherheit, dass es sich um einen einmaligen Qualitätsausfall handeln musste!

Der Genacker war bei 15 Knoten nicht eine Sekunde oben, da brach auch an diesem Bergeschlauch die Lasche, und das Segel wehte aus ins Wasser - die Bergung verlief schnell und vor allem ohne Schäden für den Genacker. Alles wurde neu klariert und der Genacker, diesmal ohne Bergeschlauch hinter der Genua gesetzt.

 

Werte wie unter Spi, bei Windstärken von 18 - 20 Knoten.
Im Morgengrauen hatten wir uns bereits auf 3 Seemeilen der Shaya Moya genähert, als diese, vermutlich wegen der zunehmenden Böigkeit Ihren Genacker, mit dem sie die ganze Nacht gefahren war, herunter nahm und nur unter Genua weiter lief - Damit war unsere Geschwindigkeit mit ca. 1.5 Knoten schneller, und wir liefen nach ca. 2 Stunden auf gleicher Höhe - siehe Foto - kurze Funksprüche wurden ausgetauscht, jede menge Fotos wechselseitig gemacht und dann nach einem Sonnenschuß - in den Wind schießen mit starkem Killen des Genackers wegen Unaufmerksamkeit - öffnete sich der Patentschäkel der Schot und der Genacker wehte aus - abermaliges Bergen, Schot neu anschlagen, Patentschäkel mit Tape sichern und wieder hoch! Zwischenzeitlich ist es 14:00 Uhr und die Shaya Moya liegt 4 sm achter aus!

Bordleben:
Natürlich war das Etmal von 210 Seemeilen innerhalb von 24 Stunden das größte Highlight des Tages - natürlich auch das erreichen der Shaya Moya - aber heute ist der Tag der Höhepunkte:
Um 13:05 betrug die Distanz nach St Lucia 1000 Seemeilen! Wir werden dreistellig!

Und auch die Natur bot ein Schauspiel für uns:
Etwa 30 Minuten begleitete uns ein kleiner Albatros, der seine Flugkünste zeigte. Er zog im Vorbeiflug von achtern seine Kreise, und beobachtete die durch uns aus dem Wasser aufgescheuchten fliegenden Fische, um sich auf diese zu stürzen, oder sogar knapp über der Wasseroberfläche zu verfolgen - die Fliegenden Fische blieben meist der Sieger, nur einen Fang konnten wir beobachten.

 


 

04.12.2010

Position: 12.39.314N 40.26.196W
Wind 12 -14 Knoten NO NNO
Wetter 2 / 8 bewölkt Squalls

Nach einem traumhaften Sonnenuntergang und Treckingmahlzeit aus der Tüte folgte eine Nacht mit schwachen Winden, die jedoch in der zweiten Nachthälfte deutlich auffrischten. Die Grib Files werden unzuverlässiger, denn es waren kontinuierliche 10 - 15 Knoten aus NO vorhergesagt, die wir erst am frühen Morgen aus NNO feststellen konnten.

 

Zur Zeit laufen wir unter Spinacker, jedoch an Backbord so flach gezogen, dass er bei noch 90 Grad Einfall Scheinbarer Wind funktioniert im Durchschnitt 9 Knoten - in der Spitze mit 10,5 Knoten Speed over Ground - siehe oben rechts im Cockpitbildschirm - SOG 10.5.

Um 13:00 Uhr haben wir den Tagesmeilenzähler auf Null zurückgestellt und versuchen nun einen neuen Angriff auf 200 Seemeilen in 24 Stunden - mal sehen ob es klappt!?

Bordleben:
Die Stimmung ist angespannt - noch kommt keine richtige Schlussspurtstimmung auf - naja immerhin war unser letzter Milestone um 13:40 Uhr eine Entfernung zu der Nordspitze von St Lucia von 1200 Seemeilen - das bedeutet bei vorsichtig optimistischer Berechnung eine Ankunft für den 11.12. Wenn der Wind mitspielt und das Material hält.

Drückt uns die Daumen!

 


 

03.12.2010

Position: 12.42.820N 37 39 945W
Wind 12 - 15 Knoten Ost
Wetter 4 / 8
26 Grad Celsius

Es ist Routine eingekehrt - auch wenn wir vor dem jetzt aus Ost kommenden Passat kreuzen, um nicht "platt vorm Lake" sondern mit einem Winkel zum Wind optimiert zu Segeln - bedeutet gelegentliches Halsen - ist aber von Vorteil, denn jetzt ist regelmäßiger Materialcheck, insbesondere im Bereich Schoten / Spinackerbaum erforderlich, denn trotz bester Präparation ist ein Schamfilen und damit Angreifen der Materialstruktur fast unvermeidlich - da wir aber nicht zuletzt wegen der Halsen mit doppelten Schoten fahren, würde auch ein durchscheuern einer Schot, oder in diesem Fall eines Achterholers den Spi nicht auswehen lassen.

Der Hydraulik Großbaumniederholer geht übrigens morgen auf die Reise - sah erst gar nicht so einfach aus - Holmatro / Niederlande hatte einen entsprechenden Kicker nicht auf Lager, konnten auch nicht direkt klären, ob ein solcher vielleicht bei einem Vertragshändler auf Lager sei - Selden Schweden ( Hauptniederlassung ) Produzent unseres wirklich tollen Riggs konnte ebenfalls nicht helfen - solche Teile werden dort nur Auftragsbezogen bestellt. Da das Schiff nach der Ankunft mit anderer Crew weiter segelt, wollten wir aber unser Malheur kurzfristig repariert sehen - also Recherche im Internet und parallel Anfrage bei Hallberg Rassy Parts, Schweden Ellös.
Hier handelt es sich um eine Gesellschaft, die der Werft angegliedert ist, aber in Sachen Versorgung der Hallberg Rassy Yachten selbstständig arbeitet.
Wir sind davon ausgegangen, dass auch Hallberg Rassy Parts solche Teile nur Auftragsbezogen ordert, so war es auch, doch zwei Stunden nach der Bestellanfrage kam nach Rücksprache mit dem Chef eine positive Antwort - Danke an den Chef! Und nun ist das Ersatzteil ab morgen per TNT auf dem Weg nach St Lucia und wird dort am 08.12. (hoffentlich 2010) eintreffen.

Bordleben:
Entspannte Routine - wir kennen unseren Weg, wir kennen die Boote, auf die wir zu achten haben und versuchen nach wie vor bestmögliche Geschwindigkeit herauszuholen. Dazu haben wir uns einen Partner herausgesucht - der weiß natürlich nichts von seinem Glück und koppeln permanent die Distanz - so zum Beispiel die Nummer 72 eine Jeanneau Sun Odyssey 54 DS die vor einigen Tagen am gesamten Feld direttissimo Richtung West auf und davon gezogen ist
- mal sehen was passiert.

Auch unter Deck Routine.
Dank eines ausgeklügelten Datumsrechners, dem sich Generationen von Seefahrern bedient haben, und der nun gerade von einem weltweit erscheinenden Herrenfachmagazins für 2010 aufgelegt wurde, welches sich zur einzigen Aufgabe gemacht hat der Männerwelt zu zeigen wo es lang geht, haben wir nicht nur bei Ausfall der Elektronik eine exakte Bestimmung des Tages - wir wissen auch, dass heute der 3. Dezember ist - Welch ein Triumph der männlichen Intelligenz.

 


 

02.12.2010

 

Position: 12.24.835N 35.22.441W
Wetter 3/8 bewölkt
Wind: von 6 - 7 Knoten gestern Abend und 30 Knoten in Squalls heute 5 - 6 Knoten am frühen Morgen und danach 10 - 13 Knoten Passat!!!

 

 

Wegen etlicher Squalls haben wir bereits ab dem späten Nachmittag immer wieder den Spie bergen müssen - (Foto) - denn es steckt enorme Energie in Form von Regen und Starkwind in ihnen! Haben wir auch - und dennoch - nach einem Durchzug von Squalls haben wir unseren Kicker verbogen - wann wissen wir nicht, aber er ist hin!

Um es etwas sicherer zu haben, aber auch um unseren Leichtwindspie, der bei den erwartete Passatwinden von zunächst 10 - 15 Knoten unser wichtigstes Segel sein wird, haben wir uns entschlossen, die Nacht unter Genua und Groß zu fahren - denn es bilden sich ununterbrochen neue Squalls.

Heute gegen 14:00 dreht der Wind von Nord auf Nord Ost - da ist er der Passat, der uns laut Grib Files erst für heute Nacht angekündigt worden war.

Wir haben aus unserer Situation das beste bemacht - aber einige Yachten, unter anderem die Dragon Fly haben die Südroute östlich der Kap Verden gewählt und hatten in den letzten 36 Stunden eine Düse von achtern! Das wird spannend, aber wir haben ja deutlich über 1000 Seemeilen vor uns - da ist noch lange nichts entschieden - und den bereits entfernten Kicker haben wir durch eine Taille ersetzt - also wir sind für alles bereit!

ARC Rally Control hat heute per Mail an alle Schiffe bekannt gegeben

- dass bereits zehn Yachten die Aufgabe erklärt haben, etliche von Ihnen sind sogar auf dem Rückweg nach Gran Canaria.
- das St Lucia Programm geändert wurde
- Die Willkommens-Veranstaltung vom 8.Dezember wurde in „The Early Arrivals Party“ umbenannt.
- Die Willkommens-Veranstaltung findet am 11.12. statt.

Alle anderen Termine einschließlich Preisverleihung am 18.12.2010 werden trotz der widrigen Windverhältnisse wie geplant statt finden, aber die Finishline wird über den 17.12.2010 offen gehalten, so dass auch die später eintreffenden Schiffe gebührend empfangen werden - und:

- Es wird eine Ankunfts-Party geben!

Bordleben:

Es kommt leichte Euphorie aus, auch wenn alles so läuft, wie wir es seit einigen Tagen vorhergesehen haben aber trotzdem: Als sich der Passat dann endlich einstellte, wurde allen bewusst, dass es nun Richtung St Lucia geht.

 


 

01.12.2010

Position: 14.10.991N 33.09.574W
Wind 12 ktn
Wetter 1/8 Wolken
Sonne
24 Grad

 

Wir können uns nicht beschweren, auch wenn es nach Süden geht, und wir uns St Lucia für die nächsten 1,5 Tage nicht annähern werden.

 

Wir hatten wieder einen tollen Sonnenaufgang und laufen mit 8.6 - 9 Knoten Speed over Ground.

 

Wie gesagt - wir wollen etwa 200 Seemeilen südlicher als die direkte Höhe von St Lucia laufen, um erst dann nach Westen abzudrehen - das kostet einen weiteren Tag, umgeht aber ein Gebiet schwacher Winde - es sind immerhin noch 1616 Seemeilen direkter Kurs nach St Lucia - das Bedeutet für die von uns geplante Route ca. 300 Seemeilen mehr so dass wir noch 1800 Seemeilen vor uns haben - da können wir noch einige verlorene Plätze gut machen - bisher haben wir 1810 Seemeilen zurückgelegt, so dass wir bei Erreichen von St Lucia eine Gesamtstrecke durch Wasser von 3600 Seemeilen zurück gelegt haben werden - auch rekordverdächtig, denn die Durchschnittsstrecke mit Anlieger auf die Kap Verden um nördlich vor diesen auf direkten Kurs mit reichlich Passatwinden von 15 - 20 Knoten Richtung St Lucia zu nehmen beträgt 2700 - 2800 Seemeilen - wenn, ja wenn der Passat da steht wo er hingehört - Unsere Strecke, die für diese Verhältnisse so verkehrt nicht gewesen sein kann wird ca. 800 Seemeilen oder 28% länger sein - so ist nun einmal die Seegelei, unberechenbar, frustrierend, Nervenaufreibend!

Vielleicht ein paar Worte zum AIS ( Automatic Identification System ), denn unter einigen Lesern des Logbuchs gibt es eine rege Diskussion über meine Äußerung, dass wir das AIS " passiv" fahren:

Das AIS dient nicht nur zur passiven und aktiven Sicherheit - sehen und gesehen werden - seit 2004 zählt es für den Größten Teil der Berufsschifffahrt zur Pflichtausrüstung, neben allgemeinen Schiffsdaten - Länge Breite Fracht unter Motor oder Segel sowie Zielhafen gibt es exakte Informationen über die Performance der Schiffe, die AIS Signale aussenden, also GPS Geschwindigkeit über Grund und Kurs.

Zunächst einmal erscheint auf unserem Plotter, der die Seekarte abbildet ein Symbol, wenn eine Yacht ein aktives AIS hat, also AIS Signale nicht nur empfängt sondern auch sendet - siehe Foto - von dem Schoner Texel, einem Traditionsschiff, welches sich ebenfalls an der ARC beteiligt - wenn wir mit dem Curser auf das AIS - Symbol gehen erhalten wir ein Datenblatt, wobei sich Kurs und Geschwindigkeit permanent aktualisieren - wir können also jede Veränderung kontrollieren daher mein Hinweis von gestern, dass wir unser AIS meist auf passiv stehen haben - wir also sehen können aber über AIS nicht gesehen werden die Verhältnisse lassen es zu - die Nächte sind klar, fast die ganze Zeit begleitet uns der abnehmende Mond und jedes Schiff ist schon am Horizont mit seinem Positionslichtern auszumachen - zur Sicherheit haben wir genug andere Ausstattung die nicht gleich alles offen legt. Wir zeigen uns für Schiffe mit Radar über unser Sea Me, welches Radarsignale extrem verstärkt zurücksendet, und zusätzlich einen Signalton aussendet, wenn es von einem Radarstrahl getroffen wird - zusätzlich nutzen wir unser eigenes Radar und sehen letztlich alle AIS Signale der Schiffe, die mit AIS ausgestattet sind.

Die Rallye wird also nicht nur am Steuer entschieden, wobei insbesondere Ulli und Michael professionell und leidenschaftlich um jede 0.10 Seemeile kämpfen, sondern auch an der Navigationsecke und da an der elektronischen Seekarte mit allen verfügbaren Informationen über die Konkurrenz und allgemeinen Informationen aus dem Internet.

Skeptiker werden anmerken, dass das ganze elektronische Zeug insbesondere auf einer Segelyacht anfällig ist und man sich darauf nicht verlassen kann - Stimmt natürlich - daher befinden sich für das gesamte Seegebiet Seekarten sowie für alle potenziellen Häfen Hafenhandbücher an Bord. Meinen Sextanten benutze ich seit Einführung transportabeler GPS-Geräte nicht mehr- Als Backup Gerät zur Positionsbestimmung dient ein wasserdichter Garmin GPSmart Handplotter - aber für die Kartenarbeit brauchen wir letztlich nur Positionsbestimmung mit Längen und Breitengraden, und diese geben auch an unsere Black Berry´s - und für diese haben wir kleine Solarzellen ! Also wir werden schon ankommen! Übrigens - alle Fotos inkl. von Gran Canaria vor dem Start wurden mit einem Black Berry gemacht.

Bordleben:
Wir genießen, dass die Tage der ungewissen Routenentscheidung vorbei sind und wir zumindest unsere grobe Strategie festgelegt haben - die Rallye wird kalkulierbar - da gibt es schon regen Mailverkehr mit diversen Reisebüros über mögliche Alternativflüge.

 


 

30.11.2010

13:00 UTC
Position: 16.02.820N 31.44.650W
Wind 7 - 9 ktn
Wetter 1/8 Wolken
Sonne 24 Grad ( Sorry an alle in Deutschland )

Es gibt nicht viel Neues - nach der Übergabe mit der Hydrocarbon sind sowohl wir als auch die Hydrocarbon 10 Minuten später über Stag gegangen um Richtung Süden zu laufen - unsere Berechnung anhand der aktuellen Grib-Files hat uns zu dem gleichen Ergebnis kommen lassen wie der kurz danach eingehende Weather Forecast der ARC - nur mit dem Unterschied, dass dort die Empfehlung ausgesprochen wurde, dass es ausreichend sei, nur bis zur gleichen Höhe von St. Lucia nach Süden zu gehen um dort auf den stetig kräftiger werdenden Passat zu stoßen - wir sind aber im Verhältnis zum Hauptfeld etwas voraus, so dass wir beim Eintreffen dort noch keinen Passat antreffen werden, da dieser zu diesem Zeitpunkt weiter südlich sein wird - bedeutet warten oder dem Passat entgegen zu fahren - wir gehen also etwa 24 Stunden weiter nach Süden - nur zur Information für alle die uns die Daumen drücken - bitte nicht wundern!

Bei dieser Gelegenheit einige Erläuterungen zum Position Report von ARC:
Der direkte Weg zum Ziel ist nur per Motor zu erreichen - mit einer Segelyacht entscheidet die Wahl der Route nach der Vermutung der optimalen Winde, und auf der Langstrecke bedeutet dies zwischen wechselnden und durchziehenden Wettersystemen - Wer unsere Reise von Anfang an begleitet hat, wir sich vielleicht gewundert haben, dass wir so weit östlich geblieben sind, um dann vor dem größten Teil des Feldes im Westen des Feldes angekommen zu sein - das war, wenn auch ca. 200 Seemeilen und damit etwa 20% länger der schnellere Weg. Für die Platzierung hat dies jedoch zu Ungereimtheiten geführt. Wir waren am dritten Tag irgendwo im Mittelfeld, und liegen heute auf Platz eins der Cruiser Division laut ARC Position Report - alles richtig und doch falsch!

Die Platzierung wird anhand der direkten Strecke der jeweiligen Yacht nach St Lucia gemessen - und da liegen wir heute offensichtlich von allen Cruisern am nächsten - aber genau so wie wir am Anfang bei der östlichen Umfahrung des Feldes taktisch deutlich besser lagen als die direkte Strecke und damit die ARC Positionsmeldung es vermuten ließ sind wir heute möglicherweise insbesondere gegenüber südlich fahrenden Yachten im Nachteil, denn diese werden deutlich schneller als wir den Passat erreichen und sind dann mehr oder weniger auf direktem Kurs, während wir erst noch zwei Tage lang Süd machen müssen!

Also bitte weiter Daumen drücken, aber nicht glauben, dass wir nach dem ersten Platz auf einmal deutlich schlechter geworden wären - die echte Platzierung gibt es beim Zieleinlauf!

Bis gestern haben wir die FleetView Reports ausgewertet, um die Taktik der anderen zu analysieren - ab der Entscheidung nach Süden zu fahren stehen alle Entscheidungen fest, es gibt ab jetzt keinen neue grundsätzliche Strategiewechsel - ab jetzt gilt nur noch schnell zu sein - also nur nicht auf die Konkurrenz schauen um nicht nervös zu werden!

Und das auch eine Hallberg Rassy 54 schnell sein kann konnten wir heute Nacht mit unserem Sparringspartner Hydrocarbon unter Beweis stellen - seit der Übergabe war es uns möglich, mit der Hydrocarbon - immerhin eine Beneteau First 50 aus der Racing Division - mit zu halten, so das diese uns bei Winden um 12 Knoten über 24 Stunden lediglich 3 Seemeilen abnehmen konnte - Grüße an Magnus Rassy und sein Team, die können jetzt die 54er als Racer anbieten!

Das erste Foto zeigt die verschiedenen Alternativen, eingearbeitet in das Programm Raytech - drei Alternativen für nördliche Routen - alle verworfen und eine für die jetzt eingeschlagene südliche Route.

Das zweite Foto zeigt einen Squall - auf dem Radarbild sind alle Squalls in unserer Nähe zu sehen - Starker Wind - wir kommen!!!

Bordleben:
Gestern Abend wieder Treckingtütenmahlzeit - aber heute Morgen wurde jedem nach zwei Tagen wieder eine Dusche gestattet, und das hat der Stimmung sehr gut getan! Sind übrigens sehr zu empfehlen, wenn die Alternative kalte Küche heißt! Übrigens, von Backbord (links) kommt eine Wolkenwand (Foto 3), und das bedeutet mehr Wind - und je mehr wind, desto schneller kommen wir nach Süden - zur Zeit bewegen wir uns immerhin mit 4 - 6 Knoten, die Wolken versprechen 8 - 9 Knoten!!

 


 

29.11.2010

Position: 18.03.572N 30.40.370W
Wind 20 ktn NNW
Speed 7.6 Ktn GS

Über die Probleme, den optimalen Kurs zu finden möchte ich nicht mehr lamentieren - es ist grausam täglich aus der gegebenen Position optimale Entscheidungen zu treffen - das Wetter meint es nicht gut mit uns - wir waren wie vorhergesehen die letzten Stunden an der Kreuz, d.h. wir mussten im Zickzack Kurs gegen den Wind anfahren um West zu machen - es gab zwei Alternativen:

Weiter Nord, und zwar die nächsten drei Tage um dann dem Risiko ausgesetzt zu sein, SW also gegen an auf dem Weg nach St Lucia anzutreffen.

Oder den Weg nach Süden durch geringe Winde mit der Hoffnung auf kontinuierlichem NO / O / SO aber nicht all zu stark! Und da wenn man zu weit nördlich bleibt auch Flaute!?

Bisher war keine Entscheidung richtig falsch - ob es aus unserer jeweiligen Position optimalere gegeben hätte, wird die Auswertung nach der Rallye zeigen - wir entscheiden uns für Die südlichere Variante, nachdem wir im Norden so weit wie möglich West gemacht haben.

Besondere Vorkommnisse:
Gestern, nach dem Aufbrisen auf 20 - 25 ktn ist uns am Backstag ein Schäkel gebrochen - siehe Foto! Wieder um eine Erfahrung reicher - es handelt sich um einen No-Name Schäkel, den wir irgendwo unterwegs gekauft haben, eben kein Wichard, den wir sonst nur an Bord haben. Der Schäkel hat sich zunächst um einen cm verbogen um dann im Auge zu reißen - naja - selber schuld!

Bei dieser Gelegenheit:
Grüße an unseren Schiffsausstatter Lenz Rega-Port aus Düsseldorf - tolles Team und extrem kompetent!
Und an ShipShop aus Duisburg, die uns sehr Kompetent im Bereich Reihenschleppanker und Paraanker beraten und ausgestattet haben - stehen übrigens mit einem Australischen Hersteller in Verbindung, der die Sturmausrüstung für unsere Hallberg Rassy gefertigt hat.

In der späten Nacht konnten wir uns mit der Hydrocarbon aus der Racer Klasse messen, die uns allerdings wegen des Abstands erst bei einer Annäherung von ca 5 Seemeilen ausmachen konnte - unser AIS steht meistens auf passiv um keine unnötige Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen(!) für unsere 'Sicherheit sorgt unser Radar sowie unser Sea Me - Ein Gerät welches empfangene Radarsignale anderer Schiffe extrem verstärkt zurück sendet, und wir als fetter Frachter erscheinen.

So sind wir von 15 Seemeilen auf 5 Seemeilen in der Nacht heran gekommen. Die Hydrocarbon , eine First 50 hat aber keinen der an uns vorbeiziehenden Sqalls - intensive Schauer mit Boen von 30 bis 35 ktn ausgelassen, während wir zwei von vieren ausweichen konnten, da wir diese in unserem Radar sehen - vielleicht kommt einmal eine eindrucksvolle Sqallfront, die ein Foto wert ist! So konnten wir den Abstand auf letztlich fünf meilen verkürzen.

Im Morgengrauen hat die Hydrocarbon dann uns als unknown Sailyard angefunkt und angefragt, ob wir Maschinenöl für deren Generator hätten - hatten wir, wenn auch nur zwei von unseren verbleibenden 4 Litern.

Wir bereiteten eine Übergabe wie folgt vor:
Das Öl in einem Kanister wurde mit drei leeren Plastikflaschen mit Panzerband zusammengebunden - daran wurde eine etwa fünf Meter lange Leine mit einen Leeren etwa fünf Liter Kanister gebunden - daran wieder eine fünf Meter Leine und daran ein Schimmbrett meiner Kinder ( nicht traurig sein, werden wir in St Lucia sicherlich zurück bekommen ) das ganze wurde an eine 80 Meter lange Leine gebunden, von der wir 60 Meter Achtern aus gaben, 20 Meter wurden zurück behalten um nach der Aufnahme weitere Leine lose geben zu können.

Die Hydrocarbon kam dann in unser Kielwasser gesegelt, wir verringerten unsere Fahrt, so dass die Hydrocarbon auf die Leine auffahren konnte - der Vorschiffsmann hatte keine Probleme, eine Teil der ausgebrachten Schwimmgeräte mit dem Bootshaken zu erreichen - wir gaben Lose und der Kanister Öl war an Bord, der Schäkel an unserer 80 Meter Leine wurde an Bord der Hydrocarbon geöffnet und wir konnten unsere Leine zurück an Bord der Bluewater Mooney ziehen. Wir können bezeugen, dass die Hydrocarbon als Racer zu keiner Zeit des Manövers Gebrauch von der Maschine gemacht hat.

Bordleben:
Alles beschwerlich - es gab Treckingmahlzeiten aus Tüten die in den Tüten mit heißem Wasser aufgegossen und dann konsequenter Weise aus den Tüten gegessen wird.

Etliche Schränke haben ihren Inhalt in die Messe entleert - aber alles im normalen Bereich

 


 

28.11.2010

Sonntag, 28.11.2010
Position: 17.41.478N 28.12.852W
Wind 13 - 16 Knoten SW

Endlich haben wir mal wieder den Wind den wir brauchen - 14 - 16 Knoten wenn auch  aus SW- aber wir können Kurs auf St Lucia hoch am Wind anliegen - und wir fighten um die Plätze - nicht nur um die der ARC Wettfahrt - da sind schon zu viele offensichtlich mehrere Tage, weil mit konstanter Speed bei Flaute und gegen den Wind auf direktem Kurs Richtung St Lucia unter Motor unterwegs gewesen - Wir fighten um die gebuchten Plätze im Flieger nach Deutschland und unsere persönliche Bestzeit!
Und was macht der Segler bei 16 Knoten hoch am Wind mit 9 Knoten Speed - er bringt Gewicht nach Luv - und so packen wir alle schweren Ausrüstungsgegenstände an Deck nach Lee und setzen uns auch auf die Kante - und sind tatsächlich 0,5 Knoten schneller! Aber wie bereits beschrieben wird der Wind weiter auf West drehen, so dass wir in die Kreuz gehen müssen und wir danach  am  02.12. ein ziemliches Windchaos erreichen - aber den Yachten auf Südkurs wird  es nicht viel besser ergehen, nur einen Tag später - alles aber nur wenn die Vorhersage stimmt und sich die Systeme nicht zugunsten der einen oder anderen Route verschieben - aber so ist es nun einmal auf der Langstrecke!

Mein Sohn Robert hat ein Video vom Start im Netz gefunden - natürlich bei YouTube - auf dem der Start der Bluewater Mooney gezeigt wird - wir haben es selber noch nicht sehen könne, wie die Übertragung eines Videos über Satellit ein Vermögen kostet - aber unseren Begleitern möchte ich es nicht vorenthalten -

An dieser Stelle vielleicht ein paar Worte zur Kommunikation von Bord:

Wir haben zunächst den Standard UKW Funk (VHF Radio), dessen Reichweite aber nicht besonders weit geht - max. 50 Seemeilen - aber für den Schiffs-Verkehr mit guter Qualität, wenn man nicht zu weit entfernt ist. Dann haben wir ein Grenzwellen Funkgerät, bei dem die Reichweite 150 - 500 Seemeilen beträgt - hiermit kann man schon einen großen Teil der ARC Flotte erreichen, es gibt tägliche Round Calls bei denen Positionen, Wetter und andere Nachrichten ausgetauscht werden - Einige Net Controller - so heißen die täglichen Verantwortlichen für den Round Call veranstalten auch Wettbewerbe, wer den größten Fisch gefangen hat und Quise - man glaubt manchmal, das es sich bei einigen um segelnde Funkamateure handelt. Wir haben weiter ein stationäres Satellitentelefon, über das wir auch unseren Internetverkehr mit 128 - 256 KB abwickeln  - und wer mich kennt wird sich nicht wundern, dass am Satellitentelefon ein Router angeschlossen ist, über den ich kabellos mit einem Black Berry Mails empfangen kann - allerdings mit einer besonderen Mail Adresse, denn die Übertragung kostet in dem Moment sehr viel, in dem neben Text auch Anlagen mitgesendet werden - so wird mein Mail Account aus der Kanzlei vor der Weiterleitung gefiltert und gesäubert.

Bordleben:

Wir waren bis jetzt recht großzügig was Ordnung anging - doch spätestens morgen Nacht erwarten wir Wind von vorne mit 25 Knoten, und da muss alles so verstaut sein, dass unter Deck nicht das Chaos ausbrechen kann - also alles lose wurde verstaut. Ab sofort liegt die Sicherheitsausrüstung jedes einzelnen Crewmitglieds an einer festen Stelle in der Koje, sofern sie nicht getragen wird. Damit kann jeder auch nachts und wenn es sein muss in Dunkelheit seine Sicherheitsausrüstung greifen und anlegen -

Dazu gehört: Rettungsweste, Taschenlampe, Einhandtaschenmesser und das persönliche - sog Fast Finder - Epirp- ein Satellitensender, den jeder an Deck bei sich trägt, der bei Aktivierung  den Namen des Schiffs und die GPS Position eines über Bord gegangenen alle 30 Minuten an ein die Coast Earth Station sendet, von dem die Seenotmeldung  an das Maritime Rescue Coordination Center und dann an die regional zuständigen Rescue Coordinations Center weiter geleitet wird. Wenige Minuten nach dem Eingang des Signals ist damit die Rettungsstelle, die den Rettungseinsatz leitet über die genaue Position der Meldung informiert - in unserem Fall werden als erst Maßnahme alle Schiffe in der Nähe über die Position unterrichtet - ein Alarm von heute Nacht damit werden auch auf unserer Route spätestens innerhalb von 24 Std. an der gemeldeten Position sein - und da die aktuelle Position weiter durchgegeben wird, haben Suchschiffe oder Helfer bei Eintreffen die Position auf 10 Meter genau -

 


 

27.11.2010

13:00 UTC
Position: 17.50.61N 25.27.289W
Wind 4 - 6  Ktn OSO

Frust!

Die ganze Nacht hatten wir maximal 6 in " Böen " 7-8 ktn - also zu wenig für das Schiff! Um etwas Geschwindigkeit zu halten haben wir unter Groß und Spi - letzteren wie einen Genacker dicht geholt - Code Zero - dann auf ca. 120 Grad Einfallwinkel, das bedeutet bei dem Wind Kurs Nord(!) fahrt aufnehmen auf 6 - 8 ktn Speed um dann abzufallen, um etwas Raum nach Süden gut zu machen - und das die ganze Nacht und das überwiegend in die falsche Richtung  - aber die neuesten Wetterdaten zeigen, dass wir vielleicht ein kleines bisschen mehr Glück auf einer Höhe etwas oberhalb der Kap Verden als unterhalb haben könnten - oberhalb erreichen wir ein größeres Flautengebieten 29.11. unterhalb ein anderes vermutlich am 30.11. !? Und zusätzlich dreht der Wind auf West, kommt also von vorne - da ist es ein schwacher Trost, dass es alle gleich trifft!
'Alle stimmt aber auch nicht so ganz - etliche Schiffe haben unseren Kurs in der Nacht von Nord nach Süd unter Maschine fahrend gekreuzt, um die zweit nördlichste Insel der Kap Verden - Ilhade Sao Vicente dort den Hafen von Ponta de Cais anzulaufen - Der World Cruising Club hat in der Nacht mit einer Rundmail aufgrund etlicher Anfragen erklärt, dass ein Tankstop nicht zu einer Disqualifizierung führt. Und die großen Yachten schlugen als schnellst zu:

Bis zum Morgen wartenden auf die Öffnung der Tankstelle:

  • Start Nummer 29 Apollonia (Oyster 655)
  • Start Nummer 44 Alayat3 (CNB Bordeaux 60)
  • Start Nummer 47 Kismet (CNB Bordeaux 60)
  • Start Nummer 58 Spirit of Lusitania (Beneteau 57)

Und der Fleet Viewer zeigt, dass etliche andere Schnur gerade auf den Hafen oder besser die Tankstelle zu laufen!

 

Nach kurzer Diskussion stand für uns fest, dass wir St Lucia weitestgehend unter Segeln erreichen wollen, die vorhandenen Treibstoffmengen die bisher ohnehin weitestgehend zur Energiegewinnung genutzt wurden ausreichen um unter Umgehung der Flautenlöcher oder als Test der Belastbarkeit der bisher sehr guten Stimmung irgendwie gemeistert werden sollen - wir werden sehen was passiert!

Bordleben:

Es gibt nichts Besonderes zu berichten - alles Routine - das extrem konzentrierte Segeln in der Flaute wurde mit dem erzählen von Witzen erleichtert, von denen einer ohne weiteres auch im Internet veröffentlicht werden darf:

Eine Schulklasse will ihr 30 Jähriges Abitur feiern:

Walter schlägt vor im Gasthaus zum Hirsch zu feiern Da gibt es super Essen und hübsche Bedienung - und es wird dort gefeiert

15 Jahre später soll ein erneutes Klassentreffen stattfinden

Walter schlägt abermals das Gasthaus zum Hirsch vor - da sei alles ebenerdig und man könne auch die Toiletten erreichen - und es wurde wieder im Hirsch gefeiert

Weitere 15 Jahre später soll abermals ein Klassentreffen veranstaltet werden

Wieder soll Walter den Veranstaltungsort vorschlagen

Walter meint - lass uns doch in den Hirschen gehen - da waren wir noch nie!

 


 

26.11.2010

13:00 UTC
Position: 17.13.381N 023.11.037W
Wind 10 - 11 kn
2/8 AC

Tagesmeilen letzte 24 stunden: 199,72 seemeilen - wieder knapp daneben! Aber die 200 sm / 24 Std werden wir schon schaffen!

Grib File hat die Prognosen für den Bereich der Kap Verden kontinuierlich dem von Nord West nähernden Tief mit angepasst - Ostpassage brächte noch den Raumen Wind mit 15 kts, doch der südlich der Kap Verden fortlaufende Passat kann nicht entstehen!

Als Anlage zeigen wir die Grib File Vorhersage für den 28.11.2010 18:00 Uhr UTC - alles andere als Passatbedingungen!

Klar zu erkennen das kleine Regionaltief südöstlich der Kap Verden sowie die umlaufenden Winde südwestlich der Kap Verden auf 13 Grad Nord, die durch die östliche Grundströmung der Passate mit den Gegenläufigen Winder des nördlichen Tiefs entsteht. Dieses Gebiet mit 300 Seemeilen Flaute ist unbedingt zu meiden - also mussten wir die Strategie ändern, und haben nun Westkurs nördlich der Kap Verden anliegen. Die Entscheidung wurde erleichtert, da der zunächst direkt östlich der Kap Verden erwartete Passat aufgrund der beschriebenen Verhältnisse zumindest für die nächsten vier Tage mehr als 300 Seemeilen südlich, und damit entsprechend südlich unseres Ziels liegt! Bisher hatte sich unsere Taktik dadurch ausgezeichnet, das wir Alternativen hatten, die bei Veränderungen sogar positiv waren - so liegen wir zur Zeit östlich des Feldes, doch mit Ausnahme der überwiegend aus dem Feld der Racer stammenden führenden der Südroute werden wir zumindest im guten ersten Drittel mit dem Feld zusammenstoßen - zu dieser Zeit noch die südliche Route zu favorisieren hätte aber eine alles oder nichts Taktik bedeutet - und das war uns noch zu heiß, denn die Finish Line wird am 17.12.2010 geschlossen, und da wollten wir nun doch da sein- und die weit südlichere Route hätte noch einmal einen Umweg von ca. 400 Seemeilen ausgemacht - also lieber konventionell und dafür sicher im zeitlichen Limit ( davon nehmen wir zur 'Zeit den 14.12.2010 aus! )

Bordleben:

Die geänderte Situation, insbesondere die steigende Unsicherheit, ob wir die Passage bis zum 14.12.2010 schaffen beansprucht bei uns schon die nervliche Belastung!

Ansonsten gibt es viel zu tun - wir steuern fast nur von Hand um das Maximum heraus zu hohlen - der Schlaf reduziert sich zur Zeit auf vier Stunden pro Tag, denn trotz der Freiwachen von sechs Stunden - wir gehen zweierwachen a drei Stunden verbrauchen Kochen, backen, aufräumen doch einige Zeit, und es dauert seine Zeit, bis zu Bett gehen auch schlafen bedeutet!

Immerhin zeigt die Natur, dass wir uns in den Breiten des Passats befinden - nachdem wir bereits etliche fliegende Fische gesehen haben mussten wir heute die ersten vier in der Nacht auf Deck verendeten fliegenden Fische auflesen.

 


 

25.11.2010

13:00 UTC
Position: 18.27.550N 20.01.923W
Wind 9 - 12 kn

Nach 14 Stunden motoren in absoluter Flaute mit 7.1 kn bei 5 Liter Diesel pro Stunde erreichen wir exakt nach den Vorgaben der aktuellen Grib Files ein Windgebiet mit 9 - 12 kn aus NNO

Die weiteren Voraussagen sind nicht besonders positiv:

Wir erwarten nach einer etwa 160 sm tiefen Zone mit Wind von 10 bis zu 15 Kn bei östlichem Passieren der Kap Verdischen Inseln wieder abschwächenden Winde um 9 kn - aber die Alternativen - durch die Kap Verden oder diese nördlich zu passieren sind auch nicht vielversprechender - aber das größte Fragezeichen ist das Einsetzen des Passats mit erhofften 15 kn - ein Tief , welches am Samstag etwa 500 sm NO der Kapverden mit Windstärken bis 30 kns aus SW erreicht bringt für den Seeraum östlich der Kap Verden, also die Strecke des Felds Variable Winde unter 5 kn, also Flaute - nach den letzten 24 Stunden, in denen das Feld der Cruiser mehr oder weniger lange motort hat, bringt diese abermalige Flaute erste Probleme - der Weg nach St Lucia ist weit, und die Dieselvorräte dienen in erster Linie zur Erzeugung von Elektrizität für Navigation, Funk, Internet, und Lichter - also beginnen bereits nach der ersten recht frühen Motorstrecke bereits nach den ersten Tagen verstärkte Energiesparmaßnahmen - nachtanken auf den Kap Verden läge nahe - Aber ein Anlaufen eines Hafens Während der Regatta gilt als "Rücktritt".

Bordleben:

Die Verpflegung ist hervorragend - das frische Obst dient zur täglichen Zubereitung von Obstsalat, da ansonsten davon zu wenig gegessen wird - täglich werden zwei Brote gebacken, die wir aus Mehl als Fertigteigmischung backen - allerdings haben wir uns eine Teigknetmaschine gegönnt -

Delfine in Schulen mit bis zu 50 Tieren haben uns bereits mehrmals besucht - in größeren Abständen passierten uns deutlich größere Tiere mit Rückenflosse die wir aber nicht identifizieren konnten - aber am beeindruckendsten waren während der Flaute schlafende Wasserschildkröten, von denen wir über 20 beobachten konnten, die bei Annäherung auf 5 Meter abtauchten - kleine Handflächengroße Schildkröten, die wir durch Ihre Bugwelle schnell lokalisieren und dann sehen konnten, beeilten sich im fast spiegelglatten Wasser dem Schiff auszuweichen - insgesamt haben wir über 30 Schildkröten gesehen.

Aus Respekt zur Umwelt sammeln wir übrigens, wie wohl alle Yachten unseren Müll in Plastikbeuteln, die wir dann bis St Lucia in letzlich drei gr0ßen Seegelsäcken verstauen und dort ordnungsgemäß entsorgen - über Bord werden nur organische Stoffe wie Lebensmittelabfälle geworfen

 


 

24.11.2010

Position: 21.21.547N 18.43.425W
Wind 3-4 kn
See 1

Laufen unter Maschine!

Aus sehr guter Position im Feld der Cruiser strategisch weit östlich laufen wir in der Nacht zunehmend in den Windstillen bereich der sich nun von West bis zur afrikanischen Küste erstreckt mit Winden um bis zu vier Knoten aus NNO drehend.

 

Wir sind recht nah an einigen Schiffen aus der Racergruppe.

Dann ist trotz des Leichtwindspinackers und nur leichter Dünung praktisch keine Fahrt mehr im Schiff - 26 Tonnen brauchen nun mal mindestens 8 kn.

Wir experimentieren etwa drei stunden, kreuzen noch extremer vor dem Wind und fahren teilweise mit fast halben Wind - doch es geht nur auf Kosten des Materials - der Spi schlägt und steht mehr im Rigg als vor dem Schiff!

09:00 UTC - die Segel werden geborgen - Maschine an! Das ist erlaubt, gibt jedoch in der berechneten zeit nach Handicap erhebliche Abschläge (jedes Schiff hat einen Faktor nach dem schnelle und lange schiffe Abzüge, konservativ gebaute und kurze Zuschläge erhalten)- doch was soll’s! Wir haben ein Gebiet mit nur sehr leichten Winden erreicht, welches ca. 450 Seemeilen nach Süden und 600 Seemeilen nach Westen reicht! Selbst die Racer vor uns zeigen im AIS - das ist ein ausgestrahltes Signal mit Schiffsnamen, Position, Geschwindigkeit und Kurs, dass diese extrem schnellen und leichten Schiffe mit 2-3 kn, mit halben Wind kreuzend um zum teil 4 knoten zu machen - dabei sind diese bei mäßigen Winden in der Lage über 15 kn zu laufen - deren Höchstgeschwindigkeit liegt bei Gleitfahrt 30 kn - zählen also zur Formel 1 der Segelracer - und wenn die noch Fahrt machen ist es kein Wunder das wir stehen!

Wir halten uns, nachdem wir unter Spi Richtung West gekreuzt sind nun wieder unter Maschine auf 180 grad also Kurs Süd - wir laufen so mit 6 kn bei 4,5l Diesel/ stunde - auch der Deutsche Wetterdienst hat seine Prognose geändert und gibt seit heute Morgen folgende Empfehlung heraus:

„Aus heutiger Sicht ist auf Strecke etwas östlich der Kap Verden und dann zum Wegpunkt 12N 26W etwas mehr Wind zu erwarten gegenüber einer Strecke südlich der Insel Sal und zum Wegpunkt 14N 26 W.“

Wir sind nicht nur Cruiser, wir sind auch berufstätig und haben unsere Rückflüge für den 10. Dezember gebucht - ein Termin den wir halten können, aber da müssen wir den Passat am Freitag erreichen!

Zum Bordleben:
Der Watermaker arbeitet einwandfrei und daher müssen wir uns mit dem Wasserverbrauch einschließlich Duschen nicht einschränken - das ist Luxus!!

Gestern haben wir das letzte Frischfleisch gegessen, so dass wir heute mit dem Angeln begonnen haben.

Gestern Abend gab es für die Freiwachen einen DVD Abend mit Nicolas Cage / Meryl Streep Adaption.

Stimmung an Bord, nach wie vor sehr gut!

 


 

23.11.2010

13:00 UTC
Position: 12:34h 22.52.718N 17.48.793W
Wetter: Klarer Himmel 24 Grad Celsius

Wir haben gekämpft, aber das erste 200 Seemeilen Etmal in 24 Stunden um 0,98 Seemeile verpasst! Aber 199,02 Seemeilen in 24 Stunden sind auch nicht schlecht!

Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse:

Nach zunächst recht schwachen Winden aus NNO mit 7 - 10 kn und Geschwindigkeiten bei 5 - 7 kn auffrischender wind aus NNO mit 16 - 20 kn. Aufgrund der aktuellen Windinformationen über US Grib File von US NAVAL Marine Service folgen wir nicht der Empfehlung des DWD sondern halten uns östlicher mit Kurs auf Ilha dol Sal - Kap Verden - um eine Nord westlich der Kapverden entstehende Zone mit sehr schwachen Winden nur an ihrer östlichen Seite zu streifen, was immerhin Mittwoch auf Donnerstag bis zu 24 Std. mit sehr schwachen Winden bedeuten kann!

Südlich der Kap Verden steht ein recht konstanter Passat, so dass wir am Mittwoch die Entscheidung treffen, ob wir im Extremfall die Kapverden östlich passieren.

 


 

22.11.2010

Leichtwindspi steht!
Kurs 235 grad - wir haben uns also für die südliche Route entschieden - und da auch noch vorsichtig östlich haltend um nicht in ein etwa 200 sm Flautenloch zu geraten.

 


 

21.11.2010

Start bei wenig Wind unter Groß und Genua in Lee des Startlinie - Die Hälfte des Feldes startet in Luv unter Genacker oder Spi - Wir machen erst einmal etwas Höhe bei 12 - 16 kn setzen dann gegen 14:00 Uhr den Leichtwind Spi - 16 kn wind / 8-9 kn Fahrt - bei zur zeit 26 Tonnen + ?? Nicht schlecht - aber der Wind begünstigt die leichten Yachten - und unter 12 Knoten verrecken wir! 17:12 Kopfbeschlag des Spibergeschlauchs gerissen - Spi landet dank der Reaktion von Ulli am Steuer leicht neben dem Schiff im Wasser und kann ohne Schaden geborgen werden - 18:30 Parasail Spi oben aber für 12-16 kn Wind viel zu schwer - Wir schlagen uns zwar noch mit der Dragon Fly Oyster 53 unter Spi und können diese einige Stunden halten, doch bei schwächer werdenden Wind ist der bis 35 kn ausgelegte Para Spi einfach zu schwer - Die Nacht über Nähen wir den Kopfbeschlag - warten aber mit dem Setzen des Leichtwindspi bis zum Tageslicht um sicher zu sein, dass nicht doch irgendwo eine Beschädigung ist die beim Setzen zum Totalverlust führt.